Kunst und Strafrecht

Materialien zu den Ausstellungstafeln

 

Prof. Dr. Dr. Uwe Scheffler

 

Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht, Kriminologie

Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)


Kunst und Strafrecht


Die Ausstellung „Kunst und Strafrecht“ wurde im Jahre 2013 konzipiert. Sie beruht auf einer Initiative aus dem Kreis meiner Lehrstuhlmitarbeiter und wurde dann von uns gemeinsam erstellt.

Die Ausstellungstafeln waren zuerst ab Oktober 2013 an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) gezeigt worden; danach war die Ausstellung (zusätzlich mit Tafeln in polnischer Sprache) am Collegium Polonicum in Słubice und sodann in Poznań an der Universität der Künste zu sehen. Als weitere Station folgte ab dem 23. März 2015 die Juristische Fakultät der Poznaner Adam-Mickiewicz-Universität. Ab dem 21. April 2015 war die Ausstellung in der Bibliothek der Kazimierz-Wielki-Universität in Bydgoszcz zu sehen; vom 15. Mai 2015 an wurde sie an der Fakultät für Recht und Verwaltung der Nikolaus-Kopernikus-Universität in Toruń präsentiert. Als nächste Station in Polen folgte im September 2015 die Juristische Fakultät der Universität Białystok. Ab Anfang des Jahres ist die Ausstellung an der Fakultät für Recht und Verwaltung der Universität Ermland-Masuren in Olsztyn gezeigt worden. Die Universität Gdansk ist ab dem 6. Mai 2016 gefolgt. – Die deutschsprachige Fassung war bis zum 11. Dezember 2015 an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Paris-Lodron-Universität Salzburg in Österreich zu sehen, nächste Station (bis zum 26. Februar 2016) war die Westfälische Wilhelms-Universität in Münster. Seit dem 11. April 2016 war die Ausstellung an Universität Osnabrück, ab dem 6. Juni 2016 an der Hochschule Koblenz zu sehen, danach an der Universität Augsburg; Ab dem 23. August 2016 stand sie an der Universität Bayreuth. Für den 20. Oktober 2016 ist die Ausstellungseröffnung an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, für den 12. November 2016 Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Universität in Hannover geplant.

Durch die Ausstellung eröffnet sich für mich eine gute Gelegenheit, aus einem umfangreich angelegten wissenschaftlichen Lesebuch zum Thema „Kunst und Strafrecht“ schon mal vorab einige Texte ans Licht zu stellen. Denn auf den Ausstellungstafeln können viele Aspekte naturgemäß nur angerissen und nicht in voller Tiefe beleuchtet werden.

Den Texten ist gemeinsam, dass sie in möglichst anschaulich dargestellter, leserfreundlicher Form jeweils einen „Fall“, der nicht unbedingt Rechtsgeschichte geschrieben haben muss, vielleicht nicht einmal die Gerichte beschäftigt hat, in den Mittelpunkt stellen.

Schnell zeigt sich eine bunte Welt, bevölkert beispielsweise von Fälschern, denen vor Gericht niemand glaubt, dass ihre Bilder Fälschungen seien („Christus-und-die-Ehebrecherin“-Fall), rechtskräftig verurteilten Sachbeschädigern, für die sich Nobelpreisträger einsetzen („Sprayer-von-Zürich“-Fall) und Rockbands, deren weltweit problemlos verwendetes Logo in Deutschland auf T-Shirts gedruckt Strafverfahren gegen Fans auslösen kann („Kiss“-Fall).

Somit steht im Mittelpunkt der Texte nicht ausschließlich die Beschäftigung mit juristischer Dogmatik, und auch – was mich als Juristen ohnehin überfordern würde – kein umfangreicher kunstwissenschaftlicher Diskurs, sondern eine Tour d’Horizon durch die weiten Welten der Straftaten an Kunst (etwa Sachbeschädigung, Diebstahl, Fälschung) oder aber mit Kunst (etwa Beleidigung, „Gotteslästerung“ oder auch Pornographie, Gewaltverherrlichung). Die Strafrechtsdogmatik kommt insbesondere dadurch zur Geltung, dass sich beim genaueren Hinsehen, beim Herstellen von Querverbindungen oder auch schon beim bloßen Realitäts-Check Unklarheiten, Lücken und Widersprüche selbst an Stellen auftun, an denen doch eigentlich „alles klar“ zu sein scheint: Ist der Verkauf eines gewaltverherrlichenden Plattencovers zu verbieten, obwohl es ohnehin bei „Google“ gleich hundertfach aufgerufen werden kann („Butchered-at-Birth“-Fall)? Wie ist es rechtlich zu bewerten, wenn ein Verleger die Auflage seiner Zeitschrift dadurch steigert, dass er dort exklusiv journalistisch begleiten lässt, wie er einem Dieb an der Polizei vorbei die ansonsten unverkäufliche Beute abkauft und dem Eigentümer zurückzugibt („Madonna-im-Rosenkranz"-Fall)? Kann wirklich die Tötung eines Huhns oder Hasens während einer Performance strafbar sein, das millionenfache Schreddern von Eintagsküken hingegen nicht („Das-Ableben-des-Hasen“-Fall)?

Kurzum: Die Texte sprechen hoffentlich nicht nur (angehende) Juristen an, sondern auch Kulturwissenschaftler – und überhaupt alle wissenschaftlich und kulturell Interessierten.

Viel Spaß beim Lesen!


> Texte zu den Tafeln